Weihnachten

Süßer die Glocken nie twittern

In den Weihnachtstagen, dem Internet sei Dank,
lässt sich nunmehr Neues nieder,
lieb Gewonnenes wandert in den Traditionen-Schrank,
sind wir nun doch follower und nicht mehr nur Familienmitglieder!

Stets auf der Suche nach ein bisschen LAN,
dem elektronischen Zugang für jedermann.
Mittendrin, nicht nur dabei,
denn nur mit Wifi fühlt man sich frei.

Ob geliked, gehyped, gepostet oder shared,
notifications und tweets haben jetzt gesellschaftlichen Stellenwert.
Alles wird klassifiziert bei den neuen Generationen,
den Weihnachts-Oldies dabei mumifizierende Gefühle inne wohnen.

Freunde heißen nunmehr friends,
sie tweeten und re-tweeten,
wohl dem der dabei das Setzen der hashtags nicht verpennt,
sich zudem no-filter als Prahl-Option bieten.

Der Weihnachtsgruß als screenshot oder am Computer animiert,
wird heuer auf Facebook oder Instagram platziert.
Zwischen bio und quotes gesendet
er oft als x-mas spam im elektronischen Papierkorb endet.

Weihnachtsfeiern finden nicht mehr offline statt,
sie werden nunmehr online poked,
der Gebrauch von Weihnachtskerzen sich überholt nun hat,
ein quiekender Emoji um unsere Emotionen buhlt.
 
Deutsches Sprachgut wird durch Anglozismen entzaubert,
teilweise ihrer poetischen Kraft beraubt,
am Ende dies den Zeitgeist nicht überdauert
und uns der kulturellen Identität beraubt.

Doch auch wenn dieser Tage „Süßer die Glocken nie twittern“
Weihnachtsroutiniers sollten nicht zu sehr um ihre Weihnachtsgefühle zittern.
Eine feinfühlige Seele wird weiter von den weihnachtlichen Farben angesprochen,
eine noch feinfühligere von deren weihnachtlichen Klängen,
insbesondere wenn sich einsame Töne angestoßen,
gemeinsam zu einem Weihnachtslied vermengen.

So stimmt Euch ein für die kommende Weihnachtszeit,
dass sie für einen Jeden,
hält einen persönlichen Weihnachtsgruß bereit.
und nicht nur elektronische Botschaften werden übergeben.

Weihnachten 2017, Wolfgang Doell

Foto: micjan / photocase.de